Escape from Tarkov – Hardcore-MMOFPS Shooter für Hartgesottene

POSTED BY Benjamin Krause 22/08/2018 in Shooter Games
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Bildquelle: www.escapefromtarkov.com

Battlestate Games bringt uns mit der Closed-Beta einen Hardcore First-Person Shooter, der auf der Untiy 5 Spiel-Engine entwickelt wurde. Im Stile eines Militär-Shooters überzeugt gerade das nicht arcadige Gameplay und die spannenden sowie frustrierenden Momente. Damit solltest Du als interessierter Spieler alles, was Du bisher über übliche Shooter aus dem Genre weist, schnell wieder vergessen, wenn Du in Escape from Tarkov überleben willst. Das Spiel des Entwicklers aus London geht seinen Weg dabei abseits der Mainstream Blockbuster wie Call of Duty oder Battlefield.

Lust oder Frust?

Escape from Tarkov versteht sich als Survival-Shooter. Dieser spielt in einer nicht persistenten Welt, in der wir immer wieder mit unserem Charakter, der uns erhalten bleibt, neuen RAID-Instanzen betreten. Hier sammeln wir Loot, um das sich ein Großteil des Spiels dreht. Überleben wir den RAID, gehen wir mit dem Erbeuteten raus und leveln ihn damit weiter aus. Besonders dabei ist, dass alles, das wir in diese RAIDs mitnehmen, Waffen, Panzerung, Essen, Trinken oder Bandagen, bei unserem Ableben verloren ist. So kann es geschehen, das hart erarbeitete Teile, für die wir lange Zeit spielen mussten, durch einen dummen Fehler verlieren.

Das hebt zum einen die Spannung, denn wer will schon seine guten Sachen verlieren, die er sich erspielt hat. Auf der anderen Seite kann diese Spielmechanik ebenfalls schnell frustrierend werden. Besonders, wenn wir mehr oder weniger immer wieder bei null anfangen müssen. Dabei verlieren wir ebenfalls besonders wertvolle Sachen, ohne diese wiederbekommen zu können. Damit ist klar: Escape from Tarkov ist ein Hardcore-Spiel für Menschen mit Nerven und einer hohen Frusttoleranz.

Gerade was den Loot betrifft, findet sich gute Ausrüstung extrem schwer. Somit ist die Ebene der Genugtuung eine andere, erhalten wir etwas von großem Wert. Genau hier setzt das Spiel seine Daumenschrauben dann auch an, um die spezielle Atmosphäre in den RAID-Instanzen zu schaffen. Dabei meinen wir noch nicht einmal die grafische Aufmachung. Die sorgt ebenfalls mit ihren Mitteln für aufregende Gefechte. Dazu jedoch später mehr.

Der Einsatz, den wir als Spieler in jeder Runde mit unserer mitgeführter Ausrüstung erbringen, ist extrem. Das ist der Grund, warum Escape from Tarkov absolut hart zu spielen ist. Damit schafft das Spiel eine Community, die es entweder liebt, oder hasst.

Immersion über alles

Wer das erste Mal in das Spiel einsteigt, stellt schnell fest, dass es weder eine Minimap noch einen Cursor oder ein Fadenkreuz gibt. Escape from Tarkov bietet Survival der feinsten Art. Um sich auf einer Karte zurechtzufinden, benötigen wir eine Karte von dem Gebiet, auf dem wir nachsehen müssen. Ebenfalls wollen die Waffen nachgeladen werden. Dies funktioniert jedoch nur, wenn Munition in der Hosen- oder Brusttasche mitgeführt wird.

Ebenfalls finden wir einen Tag- und Nachtzyklus vor. Wobei gerade in den Nächten die Welt noch einmal schwieriger zu überleben ist. Denn entweder wir verfügen über ein Nachtsichtgerät, das uns einen mächtigen Bonus liefert, oder wir sind auf unsere Taschenlampe angewiesen. Diese erhellt zwar die von uns durchsuchten Orte, bringt jedoch ebenfalls schnell andere Spieler auf unsere Fährte.

Denn Escape from Tarkov ist getrimmt auf Realismus. Wer in dem Survival-Shooter seinen Kopf zu weit aus der Deckung streckt, ist schnell Geschichte. Dabei steht uns eine Vielzahl von unterschiedlichen Bewegungen und Haltungen zur Verfügung, um uns auf alle erdenklichen Situationen einstellen zu können. Bewegt wird sich klassisch mit Tastatur und Maus. Hier können wir uns ebenfalls zur Seite lehnen, um in uneinsichtigen Bereichen den Überblick zu erhalten. Oder wir führen kurze Seitenschritte aus. Zwischen den drei Abstufungen, stehen, hocken und am Boden liegen, gibt es weitere Unterteilungen, die unseren Kopf so gut wie möglich aus der Schussbahn halten. Dabei ist es von eminenter Wichtigkeit, die Bewegungen aus dem „FF“ zu kennen.

Realismus

Escape from Tarkov glänzt in der Umsetzung. Die Spielwelt ist authentisch und detailreich gestaltet. Die verschiedenen Waffen sehen sehr gut aus und hinterlassen in der Nutzung ein befriedigendes Gefühl. Abgerundet wird das Ganze mit der brillanten Soundkulisse. So hören wir Schritte die sich langsam einem Haus nähern in dem wir uns befinden, was uns das Blut in den Adern gefrieren lässt, oder nehmen zufrieden grinsend das Geräusch eines abgefeuerten Projektils mit dem Schalldämpfer zur Kenntnis.

Ebenfalls können wir selbst sowie unsere Gegner leicht gehört werden. Öffnen wir Kisten, Türen oder laufen wir unvorsichtig, erzeugen wir spezifische Geräusche, deren Intensität von anderen wahrgenommen werden kann. Das beeinflusst das Geschehen im Spiel ungemein. Denn wir können uns nie sicher sein, ob uns jemand aufgespürt hat und uns beim Verlassen eines Gebäudes in den Kopf schießt, um den Loot den wir gefunden haben plus unsere Ausrüstung einzukassieren.

Derweil weht der Wind durch die Kronen der Bäume und Regen tropft auf unseren leblosen Körper. Kaum ein Shooter schafft es, eine so realitätsnahe Gratwanderung zwischen Herausforderung, extremer Spannung und so hohem Frustlevel zu generieren. Und obwohl wir immer genau wissen, warum wir das Zeitliche gesegnet haben und das es zurecht so gekommen ist, fühlen wir uns dennoch mies. Auf der anderen Seite steht allerdings das Erfolgserlebnis, das wir feiern, wenn wir in einer RAID-Instanz gerade vier Spieler abgezogen und den Loot eingesackt haben, sowie damit entkommen sind.

Vertrauen

In Escape from Tarkov treffen wir auf andere Spieler sowie auf NPCs und Spieler, die wie NPCs aussehen. Die SCAV bewacht beispielsweise Gebäudekomplexe, in denen sich viel Loot befindet. Diese schießt jedoch auf alles, was sich bewegt. Dabei lässt sich ein Durchschuss in das Bein noch mit einer, wenn vorhanden, Bandage beheben. Ein Schuss in den Kopf hingegen lässt unsere Leiche mit dem Hab und Gut zurück. So würde es sich natürlich anbieten, sich mit anderen Spielern auf einer Karte zusammenzuschließen, um gemeinsame Sache zu machen. Schnell rein, Loot abgreifen, schnell wieder raus.

Was auf den ersten Blick als zu schön um wahr zu sein klingt, ist tatsächlich möglich. Wer Spieler findet, mit dem etwas in der Art durchgezogen werden kann, darf sich glücklich schätzen. Denn in der Regel ist solch ein Zusammenschluss in Escape from Tarkov ein möglicherweise teuer bezahltes Vertrauen. Denn in einem Spiel, in dem ein Kopfschuss das schnelle Aus bedeutet, sind wir im Team nicht unbedingt sicherer. Denn was spricht dagegen, gemeinsam die NPCs auszuschalten, um anschließend hinterhältig die anderen der Gruppe zu meucheln?

Loot steht, so bekommen wir schnell den Eindruck, über allem. Denn nur damit können wir uns verbessern und diese guten Sachen, liegen eben nicht überall herum. So ist Vertrauen ein hohes Gut. Denn wer eine Gruppe von Spieler zusammenbekommt, um gemeinsame Sache zu machen, hat deutliche Vorteile.

Sicherheitsanker

Da Escape from Tarkov ordentlich an der eigenen Frusttoleranz nagt, hat sich Battlestate Games etwas einfallen lassen. Dazu ist es erst einmal nötig, das wir so viel Loot wie möglich, mitnehmen. Damit meinen wir ebenfalls Limodosen. Denn wenn wir überleben, können wir das alles bei den Händlern verkaufen. Mit dem so erwirtschafteten Geld lassen sich neue Ausrüstungsgegenstände kaufen.

Ebenfalls gibt es hier die Möglichkeit, uns zu versichern. Damit fangen wir den entstandenen Schaden durch unser Ableben auf. Zumindest besteht die theoretische Chance dazu. Jedoch ist für die Versicherung bei einem der Händler eine Menge Geld notwendig, sodass diese Möglichkeit in der Regel in ersten Spielstunden keine Option ist.

Langzeit-Spaß-Faktor

Obwohl uns das Setting der lebensfeindlichen Umgebung mitreißt, besteht das knallharte Survival-Game aus nächtelangem Suchen nach besserer Ausrüstung. Herausforderungen, abgesehen von dem was die Händler unbedingt brauchen oder gar Quests, fehlen bisher, sollen jedoch bald implementiert werden. Das bringt zwar eine ganze Weile Nervenkitzel und Spielspaß, kommt dann aber schnell an seine Grenzen. Wer einige Freunde für das Spiel begeistern kann, bringt noch einmal etwas an zusätzlichem Reiz mit ein.

Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, das Escape from Tarkov noch lange nicht fertig ist. Dennoch hat der Titel unheimlich viel Potenzial. Auch wenn die Closed-Beta-Version einige Spieler etwas vor den Kopf gestoßen hat. Denn es gab wenige Neuerungen. Dafür aber eine Menge mehr an Bugs.

Eine der Neuerungen war die hinzugefügte Map „Shorelines“. Diese sollte die größte RAID-Instanz in Escape from Tarkov werden, ist jedoch erst einmal nur halb zu bespielen gewesen. Die Ränder waren beispielsweise simpel durch Zäune abgetrennt. Dabei fehlten die ganz großen Features, wie die Möglichkeit seinen Unterschlupf zu betreten, auszubauen und gestalten zu können. Die Freude der Community hielt sich dementsprechend in Grenzen. Mit dem Patch 0.8 brachte Battlestate Games zuletzt die neue Karte „Interchange“. Diese ist moderner und ein Gegensatz zu den bisher bekannte. Zudem findet sich hier ein neuer Händler namens Ragman. Ebenfalls wurde die Spielphysik optimiert sowie an den Latenzen gearbeitet.

Fazit zu Escape from Tarkov

Der Hardcore-MMO Shooter Escape from Tarkov tropft förmlich vor Potenzial. Grafisch hochwertig umgesetzt, detailverliebt mit eindrucksvoller Soundkulisse. Durch das Prinzip des „Alles oder Nichts“ schafft der Titel eine unheimliche Atmosphäre, die an vielen Stellen im Spiel die Spannung zum Schneiden dick macht. Auf der Gegenseite steht klar der Frustlevel, wenn über lange Zeit erspielte Ausrüstung wegen einer Unachtsamkeit oder schlimmer, wegen einem Bug, verloren geht.

Der Entwickler arbeitet jedoch offensichtlich an vielen Baustellen und versucht den Spielern die Erfahrung zu bieten, die sie sich erwarten. Dies ist jedoch auch bitternötig, denn die Macher verkaufen die Closed-Beta immerhin, was in der Regel bei Spielen nicht der Fall ist.

Dennoch ist Escape from Tarkov gerade mit Freunden zusammen ein enormes Erlebnis, das bis ins Mark erschüttert oder einen vor völliger Genugtuung zufrieden in den Sessel sinken lässt.

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Benjamin Krause

Hi ich bin der Benjamin Krause, 28 Jahre alt und vom Beruf Online Marketing Manager. Ich selbst bin in der Gameingbranche seit ich 13 Jahre alt bin. Mich trifft man auf diversen Online / Marketing Messen und natürlich auch auf der Gamescom an.

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